1. bis 10. Obergeschoss   Blick von Süden über den Neckar   Fassadenstruktur   Ostansicht, 2010. Der technische Zustand der Fassaden ist ohne Mängel, eigentlich neuwertig.   Dachterrasse   Gemeinschaftsraum   Einzelzimmer mit Blick auf den Odenwald   Innenraum Einzelzimmer  
Auftraggeber: Land Baden-Württemberg,
vertreten durch
Herrn Prof. Dr. h.c. Horst Linde, Architekt, Finanzministerium Stuttgart und
Herrn Oberbaudirektor Ulrich Werkle, Architekt
Leiter des Universitätsbauamtes Heidelberg.

Wesentliche Mitarbeiter:
Dipl.-Ing. Heribert Sode, Architekt,
Dipl.-Ing. Klaus Unruh, Architekt.

  In den 50er und 60er Jahren gab es in Heidelberg eine extreme Wohnungsknappheit. Die Universität Heidelberg hatte Schwierigkeiten, insbesondere für die Universitätskliniken Fachkräfte im Pflegebereich zu bekommen. Um den aus anderen Städten der Bundesrepublik kommenden Fachkräften eine Unterkunft zu bieten, wurden insgesamt 3 Personalwohngebäude mit jeweils 10 Geschossen gebaut.
  Das erste Schwestern- und Personalgebäude hat aus heutiger Sicht einen relativ niedrigen Komfort. Für jede Zimmereinheit war als Fläche 12 qm vorgegeben. Im Laufe der Planung wurde eine Überschreitung von 10 % erlaubt, so dass die Zimmereinheit genau 13,2 qm groß wurde. Immerhin befindet sich in jedem Zimmer ein Waschbecken, aber WC und Duschen sind im zentralen Kern geschossweise angeordnet. Diese waren auch so organisiert, dass ausschließlich weibliche Fachkräfte in diesem Gebäude untergebracht werden sollten.   Dieses Raumprogramm war vom Finanzministerium Baden-Württemberg zwingend vorgegeben und entsprach der damaligen sozialen und ökonomischen Vorstellung. Dies ist der Grund, warum dieses Gebäude entweder umgebaut werden soll oder abgerissen wird. An diesem Gebäude sind deutlich die Veränderungen der Ansprüche zu erkennen, die sich aus gesellschaftlichen, sozialen und anderen Ansprüchen ergeben haben. Selbst für ein temporäres Wohnen erscheint es dem Studentenwerk für Studenten inzwischen unzumutbar.   Das Bauwerk ist eine Betonkonstruktion. Auch die Trennwände der einzelnen Zimmer bestehen aus Stahlbeton, um einen guten Luftschallschutz zu gewährleisten. Die Erscheinung des Bauwerks wird vor allem geprägt durch die Betonscheiben der Giebelflächen sowie die vorgehängten und hinterlüfteten Brüstungsplatten aus weißem Glas. Hinter ihnen ist der Sonnenschutz untergebracht.   Die Flachdachfläche sollte zur Freizeitgestaltung benutzt werden. Aus dieser Funktion wurden die Dachrandgestaltung, das abgekantete Gesims und die Sonnenschutzelemente aus Stahlbeton abgeleitet, wodurch das Gebäude einen deutlichen und individuellen oberen Abschluss hat und nicht in der Beliebigkeit irgendeiner Geschossdecke endet.
Alle Einbaumöbel wurden vom Architekten entworfen. Bei allen anderen Möbeln hatte der Architekt die Möglichkeit, einflussreich mitzubestimmen.
  2010 macht das Gebäude von außen einen mangelfreien und fast neuwertigen Eindruck. Das Innere ist katastrophal, denn die letzten Bewohner, keineswegs Schwestern, haben es selbst unbewohnbar gemacht. Die Gründe für die Duldung dieser "Zerstörung" sind nicht bekannt. Alles entspricht aber den bekannten Klischee-Bildern unbewohnbar gemachter Gebäude aus Kreuzberg, Hamburg und anderen Orten. Inzwischen wurde das Gebäude abgebrochen und durch einen Neubau 2014/15 ersetzt.   Veröffentlichungen

“Zodiac 4“
1959, S. 168 - 173

“Detail“
1962, Heft 3, S. 242 - 244

“Heime: Studenten-,Berufstätigen- und Altenheime“
1963, S. 154 - 159

“Glasforum“
1963, Heft 2, S. 24 - 26

 

“Bauen + Wohnen“
1963, Heft 3, S. 119 - 121

“Deutsche Bauzeitschrift“
1963, Heft 3, S. 345 - 348

“Deutsche Bauzeitschrift“
1964, Heft 2, S. 191 - 192

“Deutsche Bauzeitung“
1964, Heft 6, S. 450 - 453

 

“Die Bauverwaltung“
1964, Heft 6, S. 306-309

“L’architecture d’aujourd’hui“
1965, Heft 4/5, S. 50-51

“Cement (Amsterdam, Holland)“
1966, Heft 3, S. 148

"Heimbauten“
DBZ Baufachbücher
Bertelsmann Fachverlag, Gütersloh
1970, S. 168 - 171

 

“Bauen + Wohnen“
1970, Heft 8, S. 293 - 304

“Architekturführer Heidelberg“
Bauten um 1000 - 2000
1998, S. 227